Nicht der Schmerz bestimmt, wo wir hinschauen – sondern deine Haltung und Funktion.
Wenn das Knie schmerzt, liegt die Ursache nicht zwangsläufig im Knie.
Wenn die Schulter Probleme macht, muss die Schulter nicht der einzige Ort sein, den wir anschauen sollten.
Unser Körper arbeitet als Einheit.
Füsse, Knie, Hüften, Becken, Wirbelsäule und Schultern beeinflussen sich gegenseitig. Verändert sich die Position oder Funktion an einer Stelle, muss der Körper an anderer Stelle häufig ausgleichen.
Deshalb interessiert mich nicht nur, wo es weh tut. Mich interessiert, wie dein ganzer Körper sich organisiert.
Was ist die Egoscue Method?
Die Egoscue Method wurde in den 1970er-Jahren von Pete Egoscue entwickelt und versteht sich als posturale Bewegungstherapie.
Im Mittelpunkt steht die Idee, dass unser Körper für Bewegung gemacht ist und dass sich durch einseitige Belastungen, Bewegungsmangel, Verletzungen oder über lange Zeit eingeübte Muster muskuläre Dysbalancen und Kompensationen entwickeln können.
Gearbeitet wird mit einfachen, gezielt ausgewählten Übungen und Positionen – den sogenannten E-Cises.
Sie sollen dem Körper über Bewegung, Positionierung, Muskelarbeit und auch mithilfe der Schwerkraft wieder Erfahrungen ermöglichen, die eine funktionellere Ausrichtung und Bewegung unterstützen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Static Back: Hier muss der Körper nicht aktiv „korrigiert“ werden. Die Position und die Schwerkraft geben ihm Zeit und Raum, Spannung neu zu verteilen und sich anders zu organisieren.
Es geht nicht darum, den Körper von aussen in eine Haltung zu drücken. Er soll wieder lernen, sich selbst besser zu organisieren.
Muskeln bewegen Knochen
Dieser einfache Satz ist ein zentraler Gedanke der Egoscue Method.
Unsere Knochen halten ihre Position nicht unabhängig von der Muskulatur. Muskeln bewegen und stabilisieren sie.
Arbeiten Muskelgruppen über längere Zeit nicht mehr ausgewogen miteinander, verändert sich damit auch die Stellung und Belastung unserer Gelenke.
Das kann sich an einer ganz anderen Stelle bemerkbar machen als dort, wo das ursprüngliche Muster entstanden ist.
Deshalb schaue ich bei einer Haltungsanalyse nicht nur auf den Bereich, der Beschwerden macht.
Ich schaue auf den ganzen Menschen im Stand und – je nach Fragestellung – in Bewegung.
Wo steht dein Körper? Wo weicht er aus? Und welche Funktion fehlt ihm möglicherweise, um sich wieder anders organisieren zu können?
Nicht der Schmerz entscheidet, wo wir anfangen
Das ist einer der Gründe, weshalb mich Egoscue so begeistert.
Wenn beispielsweise ein Knie immer wieder belastet wird, kann es wenig sinnvoll sein, ausschliesslich das Knie zu behandeln oder zu kräftigen.
Vielleicht steht der Fuss nicht gut.
Vielleicht fehlt der Hüfte eine bestimmte Bewegungsmöglichkeit.
Vielleicht ist das Becken rotiert.
Vielleicht verteilt der Körper sein Gewicht rechts und links sehr unterschiedlich.
Oder mehrere dieser Faktoren spielen zusammen.
Die Aufgabe ist deshalb nicht, möglichst viele Abweichungen zu finden.
Wir suchen den Hebel, der dem Körper eine sinnvollere Funktion wieder zugänglich macht.
Was schaue ich mir an?
Je nach Anliegen betrachte ich unter anderem:
• die Position der Füsse und Beinachsen,
• Knie und Hüften,
• Beckenposition und mögliche Rotationen,
• die Ausrichtung der Wirbelsäule,
• Schulter- und Kopfposition,
• Gewichtsverteilung,
• Beweglichkeit und funktionelle Bewegungsmuster.
Dabei geht es nicht darum, einen Menschen nach einem Foto in „richtig“ oder „falsch“ einzuteilen.
Eine Haltung ist für mich vor allem dann interessant, wenn wir verstehen möchten, wie sie Funktion und Belastungsverteilung beeinflusst.
Die Frage ist nicht: Siehst du perfekt aus? Die Frage ist: Kann dein Körper das tun, wofür er gemacht ist?
E-Cises – manchmal erstaunlich unspektakulär
Viele Egoscue-Übungen sehen zunächst nicht nach klassischem Training aus.
Manche Positionen werden einfach für eine gewisse Zeit gehalten.
Andere bestehen aus kleinen, gezielten Bewegungen oder Wiederholungen.
Und genau darin liegt ein Teil ihres Reizes.
Es geht nicht darum, möglichst viele Kalorien zu verbrennen, möglichst viel Gewicht zu bewegen oder am Ende völlig erschöpft zu sein.
Eine E-Cise hat eine bestimmte funktionelle Aufgabe innerhalb einer Übungsfolge.
Eine Übung bereitet häufig die nächste vor.
Nicht die spektakulärste Übung ist die beste – sondern die, die dein Körper gerade braucht.
Dein persönliches Menü
Ein wesentlicher Bestandteil der Egoscue Method ist deshalb die individuelle Zusammenstellung der E-Cises.
Aus der Haltungs- und Funktionsbetrachtung entsteht eine aufeinander abgestimmte Übungsfolge – das sogenannte Menü.
Dieses Menü ist nicht für immer festgeschrieben.
Wenn sich Haltung, Beweglichkeit, Beschwerden oder Funktion verändern, darf sich auch die Übungsfolge verändern.
Das entspricht sehr meinem eigenen Verständnis von Begleitung:
Wir behandeln nicht einen Befund auf Papier. Wir arbeiten mit einem Körper, der sich verändern kann.
Erst Ausrichtung – dann Leistung
Für mich hat Egoscue einen Stellenwert, der weit über die Arbeit mit bestehenden Beschwerden hinausgeht.
Eine möglichst natürliche und funktionelle Ausrichtung kann eine wichtige Grundlage für Bewegung und Sport sein.
Denn Sport verlangt unserem Körper häufig ganz bewusst sehr spezifische und teilweise einseitige Bewegungsmuster ab.
Beim Tennis oder Squash dominiert eine Schlagseite.
Beim Golf wiederholen wir immer wieder dieselbe Rotation.
Beim Unihockey arbeiten Stockhaltung und Schussbewegung überwiegend aus einer bevorzugten Richtung.
Beim Radfahren verbringen wir lange Zeit in einer sehr spezifischen Körperposition.
Und das ist nicht grundsätzlich schlecht.
Unser Körper darf einseitig arbeiten. Entscheidend ist für mich, ob er danach wieder aus diesem Muster herausfindet.
Einseitiger Sport ist nicht das Problem
Ich möchte niemandem seinen Sport ausreden, nur weil er den Körper einseitig fordert.
Im Gegenteil.
Sport soll Freude machen, Leistung ermöglichen und ein Teil des Lebens bleiben dürfen.
Problematisch kann es aus meiner Sicht eher dann werden, wenn die sportartspezifische Haltung zur dauerhaften Haltung wird und der Körper die Möglichkeit verliert, wieder in eine ausgeglichenere Ausgangsposition zurückzukehren.
Genau hier sehe ich eine grosse Stärke der E-Cises.
Vor dem Sport können gezielte Übungen den Körper aufrichten, wichtige Funktionen ansprechen und eine gute Ausgangslage für die Belastung schaffen.
Nach dem Sport können andere E-Cises helfen, den Körper aus dem immer wieder benutzten sportartspezifischen Muster herauszuführen.
Ausrichten → belasten → wieder ausrichten.
Dieser Gedanke ist für mich eine der spannendsten Möglichkeiten von Egoscue im Sport.
Egoscue soll dich nicht von Bewegung wegbringen
Ich möchte dir nicht erklären, welche Bewegung du besser nie mehr machen solltest.
Ich möchte vielmehr herausfinden, welche Voraussetzungen dein Körper braucht, damit du das, was du gerne machst, möglichst gut tun kannst.
Wenn Gelenke funktioneller zueinander stehen, notwendige Beweglichkeit vorhanden ist und Muskeln ihre Aufgaben wieder besser übernehmen können, muss der Körper weniger über Ausweichbewegungen und Kompensationen lösen.
Das Ziel ist nicht weniger Bewegung. Das Ziel ist bessere Voraussetzungen für Bewegung.
Für mich eine Basis für nahezu jede Sportart
Gerade deshalb denke ich bei Egoscue nicht nur an Menschen mit Rücken-, Knie- oder Schulterbeschwerden.
Ich sehe die Methode auch als sehr wertvolle Ergänzung für aktive Menschen und Sportlerinnen und Sportler.
Nicht als Ersatz für Kraft-, Ausdauer-, Technik- oder sportartspezifisches Training.
Sondern als Basisarbeit am Körper, auf der diese Trainingsformen aufbauen können.
Denn je besser der Körper seine grundlegenden Bewegungsfunktionen zur Verfügung hat, desto besser kann er auch mit den besonderen Anforderungen einer Sportart umgehen.
Du trainierst deinen Sport. Mit den E-Cises kümmerst du dich darum, dass dein Körper dabei möglichst Körper bleiben darf.
Ein Beispiel: wenn der Sport den Körper dreht
Gerade bei Sportarten mit einer klar bevorzugten Seite sehe ich immer wieder, wie deutlich sich die jahrelange Wiederholung im Körper zeigen kann.
Ein Körper kann beispielsweise im Stand bereits in die Richtung organisiert sein, die er beim Sport oder auch im Beruf tausende Male benötigt. Das kenne ich sogar von mir selbst: Bei Massage und Manualtherapie arbeite ich seit rund drei Jahrzehnten überwiegend links neben der Liege stehend. Auch solche immer wiederkehrenden beruflichen Positionen und Bewegungen können sich mit der Zeit in der eigenen Haltung widerspiegeln.
Das ist zunächst eine beeindruckende Anpassungsleistung.
Gleichzeitig kann genau diese Anpassung ausserhalb des Sports oder der Arbeit zu einer dauerhaften Belastungsverteilung werden.
Dann geht es für mich nicht darum, die sportliche Bewegung zu verbieten.
Wir geben dem Körper zusätzlich Bewegungen und Positionen, die ihm die andere Richtung, Symmetrie oder verloren gegangene Funktion wieder zugänglich machen.
Der Sport oder die Arbeitshaltung darf spezialisiert sein. Der Körper sollte trotzdem möglichst viele Möglichkeiten behalten.
Egoscue und meine Haltungsarbeit
Egoscue steht bei mir nicht isoliert.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit Haltung, Bewegung und dem Zusammenspiel des gesamten Bewegungsapparates.
Dorn, Spiralmuskeltraining, Fuss- und Zehenarbeit, BRMT, Reflexintegration und meine weiteren körperorientierten Aus- und Weiterbildungen prägen natürlich auch meinen Blick.
Aktuell befinde ich mich zusätzlich in der Ausbildung zum Posture Alignment Specialist (PAS) nach der Egoscue Method.
Dabei ist mir wichtig, transparent zu bleiben:
Ich befinde mich noch in dieser Ausbildung – und integriere das Gelernte bereits in meine langjährige Haltungs- und Bewegungsarbeit. Aufgrund meiner bestehenden fachlichen Ausbildungen und meiner langjährigen Erfahrung in der Haltungs- und Körperarbeit darf ich die Egoscue Method bereits während meiner PAS-Ausbildung in meiner Arbeit anwenden.
Gerade diese Verbindung finde ich wertvoll.
Egoscue gibt mir ein sehr strukturiertes System, um Haltung und Funktion zu betrachten und gezielte E-Cises auszuwählen.
Meine bisherige Erfahrung hilft mir gleichzeitig dabei, den Menschen vor mir nicht auf ein Haltungsmuster zu reduzieren.
Haltung verändert sich nicht nur in der Stunde
Eine E-Cise kann dem Körper unmittelbar eine andere Erfahrung anbieten.
Damit daraus aber eine neue Selbstverständlichkeit wird, braucht es Wiederholung.
Deshalb gehört das eigene Üben zu Egoscue dazu.
Nicht unbedingt möglichst lange und möglichst hart.
Sondern regelmässig und mit einem Menü, das zur aktuellen Situation passt.
Mit der Zeit soll der Körper nicht nur während der Übungen anders funktionieren.
Die neue Möglichkeit soll sich zunehmend in Stehen, Gehen, Alltag und Sport übertragen.
Das Ziel ist nicht, gut in E-Cises zu werden. Das Ziel ist, dass dein Körper die E-Cises irgendwann immer weniger braucht, um sich gut zu organisieren.
Für wen kann Egoscue interessant sein?
Zum Beispiel wenn du:
• wiederkehrende Beschwerden im Bewegungsapparat hast und nicht nur dort hinschauen möchtest, wo es weh tut,
• deine Haltung und Bewegungsfunktion besser verstehen möchtest,
• nach Verletzungen oder längeren Schonhaltungen wieder ausgewogener bewegen möchtest,
• viel sitzt oder einseitig arbeitest,
• Sport treibst und deinem Körper einen funktionellen Ausgleich zur sportartspezifischen Belastung geben möchtest,
• deine Beweglichkeit, Belastbarkeit und Bewegungsqualität unterstützen möchtest,
• oder präventiv etwas dafür tun möchtest, möglichst lange beweglich und aktiv zu bleiben.
Bei akuten, unklaren oder medizinisch abklärungsbedürftigen Beschwerden gehört eine entsprechende medizinische Diagnostik selbstverständlich dazu.
So kannst du mit Egoscue bei mir arbeiten
Je nach Ausgangslage können unterschiedliche Wege sinnvoll sein.
Haltungsanalyse & individuelle Begleitung
Hinschauen, Zusammenhänge erkennen und dein persönliches E-Cise-Menü entwickeln.
Wir betrachten deine Haltung, Funktion und dein persönliches Ziel. Daraus stelle ich ein aufeinander abgestimmtes persönliches E-Cise-Menü zusammen, das wir in der individuellen Begleitung gemeinsam erarbeiten und bei Bedarf weiterentwickeln. Auch wenn du Sport treibst, kann diese Begleitung gezielt darauf abgestimmt werden: mit E-Cises, die deinen Körper vor der sportartspezifischen Belastung vorbereiten und ihn danach dabei unterstützen, wieder in eine ausgeglichenere Ausrichtung zurückzufinden.
Egoscue Gruppen-Übungsstunde
Gemeinsam üben, korrigieren und dranbleiben.
Für Menschen, die ihre E-Cises regelmässig unter Anleitung üben, Bewegungsqualität verbessern und Fragen direkt klären möchten.
Nicht der Schmerz ist das Ziel
Natürlich kommen viele Menschen zu mir, weil etwas weh tut.
Aber wenn wir nur darauf warten, dass der Schmerz verschwindet, greifen wir für mein Verständnis zu kurz.
Mich interessiert, was du wieder tun möchtest.
Wie möchtest du dich bewegen?
Welchen Sport möchtest du weiter ausüben?
Was soll dein Körper im Alltag wieder selbstverständlich können?
Und welche Funktion braucht er dafür?
Schmerz kann der Anlass sein, genauer hinzuschauen. Das Ziel ist Funktion.
Wenn dein Körper wieder mehr von dem kann, wofür er gemacht ist, wird Bewegung wieder zu einer Möglichkeit – statt zu etwas, das du vermeiden musst.
Wir arbeiten überwiegend mit Methoden aus der Volks- und Erfahrungsheilkunde und auf der Basis der modernen Paracelsusmedizin & Heptopathie. Termine ersetzen weder eine ärztliche Behandlung noch eine Psychotherapie.
Alle in der Gsundheitspraxis Kriech & dem Zentrum für Gesundheit & Hilfe zur Selbsthilfe arbeitenden Therapeuten/Berater/Trainer sind selbständig tätig und arbeiten auf eigene Rechnung.
